Getränke Zeitung: Mehr Marge ohne den LEH - Die Dominanz des deutschen Lebensmittelhandels ist groß. Er ist der Hauptabsatzkanal für Konsumgüter. Doch es Gibt Alternativen.

von Oliver Bank · erschienen am 30. September 2025 in GetränkeZeitung

Die Zahlen sprechen  für sich: Der Lebens_mitteleinzelhandel  (LEH) ist und bleibt  der größte Absatzka_nal für Lebensmittel in Deutsch_land, was den Vertrieb von Nah_rungsmitteln und Nonfood-Arti_keln angeht. Im Jahr 2023 wurden  in diesem Kanal nach Angaben  von Nielsen IQ in Deutschland  306,9 Milliarden Euro umgesetzt.  Vom gesamten Umsatz des LEH im  Jahr 2023 entfielen 85 Prozent auf  Lebensmittel, was einem Wert  von 260,7 Milliarden Euro ent_spricht. Fakt ist: Am deutschen  Lebensmitteleinzelhandel kommt  somit keiner so schnell vorbei.  Gründe für neue Vertriebswege Er ist der relevante Absatzkanal  für Konsumgüter. Wer es sich mit  dem LEH verscherzt, wird mit  dem Bannstrahl in Form von Aus_listungen im Sortiment von Edeka,  Rewe, Aldi, Lidl & Co. bestraft.  Andererseits ist es jedem Kon_sumgüterhersteller freigestellt, das  eine zu tun, ohne das andere zu  unterlassen. Heißt: Sich nach  sinnvollen, alternativen Absatzka_nälen umzuschauen. Die Gründe  liegen nach Angaben der beiden  Berater Oliver Bank und Ulrich  Schroers von Bavaria Consulting  auf der Hand: „Der Preisdruck im  LEH ist hoch. Große Handelsket_ten diktieren zunehmend die Kon_ditionen. Hersteller geraten in  eine Abhängigkeit, die ihre Mar_gen und Markenführung ein_schränkt.“ Aber auch das Verbrau_cherverhalten zwinge laut Schro_ers Hersteller zunehmend dazu,  über neue Kontaktpunkte nachzu_denken. Verbraucher kauften  heute situativer und kanalüber_greifender ein – Convenience, Er_lebnis und Verfügbarkeit stünden  im Vordergrund. Auch der wirt_schaftliche Aspekt spiele eine Rol_le: „Neue Kanäle bieten die Mög_lichkeit, Risiken zu streuen und  neue Zielgruppen zu erschlie_ßen.“ Nicht zuletzt würden neue  Vertriebswege jenseits des LEH  auch ein viel höheres Wachstums_potenzial in sich bergen.  „Während der LEH in vielen  Segmenten stagniert, wachsen al_ternative Kanäle dynamisch – teils  zweistellig“, jubelt Oliver Bank  (siehe Interview). Insgesamt hat  Bavaria Consulting 15 geeignete  Vertriebskanäle für Getränke aus_gemacht, die nicht Lebensmittel_handel-lastig sind (siehe Kästen  unten).  Laut Studie liegt der kumulative  Anteil der New Channels bei etwa  15 bis 20 Prozent des FMCG (Fast_Moving-Consumer-Goods)-Umsat_zes – mit stark wachsender Ten_denz. Eine vollständige Unabhän_gigkeit vom LEH sei (noch) nicht  möglich, jedoch: „Eine strategi_sche Entlastung ist realistisch“,  sagt Bank. Gaming-Szene + Schiffsreisen  Unternehmen wie MBG Inter_national gehen länger schon  neue Wege – und nicht nur mit  Getränken: „Unser aktuelles Pro_jekt ,Crackz‘ zeigt, wie virale  Snacks im Gaming-Kosmos entste_hen können“, lässt Geschäftsfüh_rer Andreas W. Herb durchbli_cken. „Influencer-Marketing auf  Social-Media-Kanälen wie TikTok,  virtuelle Markenfiguren wie unse_re Wasabi Cat, aber auch gezielte  Distribution in Kiosks, Spätis, au_tomatisierten 24/7-Supermärkten  wie Teo von Tegut, Automaten  und türkisch-russischen Super_märkten tragen zum Erfolg bei“,  offenbart Herb. Der klassische  Regalplatz sei nicht der Anfang,  sondern das Ergebnis eines erfolg_reichen digitalen Markenaufbaus.  „Wir sehen ein wachsendes Netz  an Automatenlösungen wie die  24/7-Stores, Snackboxen oder  smarte Kühlschränke als echten  Gamechanger. Diese Systeme  funktionieren rund um die Uhr,  sind nah an der Zielgruppe und  lassen sich datenbasiert skalie_ren“, verdeutlicht der schillernde  Getränkespezialist aus Paderborn.  Herbsts Ansatz: nicht entweder  oder, sondern sowohl als auch.  „LEH ja – aber nur als Teil eines  smarten Multi-Channel-Systems,  das digital beginnt, lokal wirkt  und sich flexibel an Konsumver_halten anpasst.“ In Zahlen gespro_chen bedeutet das: Der Anteil al_ternativer Kanäle außerhalb des  klassischen LEH wachse bei MBG  konstant. Je nach Marke und Sai_son lägen die Zuwachsraten laut  Herb bereits bei 30 bis 50 Prozent  des Absatzvolumens. Tendenz:  klar steigend. Die Krombacher Gruppe hat  den Convenience-Bereich ins Vi_sier genommen: „Vor allem das  Segment Travel & Retail mit Tank_stellen oder auch Bahnhöfen und  Flughäfen gehören dazu. Darüber  hinaus bedienen wir ganz klas_sisch Kiosks und Trinkhallen oder  Spätis. Aber auch Bäckereien,  Drogerien oder Baumärkte gehö_ren zu unseren zusätzlichen Ver_triebswegen jenseits des LEH“,  sagt Hendrik Kuhn, Vertriebsdi_rektor Handel. Auch im Online_handel sei man mit Produkten  präsent, sowohl bei den auf Ge_tränke spezialisierten Händlern,  im Quick-Service-Bereich und  auch bei Generalisten. Die oben  genannten Vertriebskanäle wüch_sen kontinuierlich in ihrer Bedeu_tung für das Geschäft. „Hier be_wegen wir ein relevantes sechs_stelliges Hektoliter-Volumen, mit  steigender Tendenz. Wir reden  von rund 10 Prozent des Ge_samtabsatzes. Das Ziel ist klar:  Konsumenten sollen unsere Pro_dukte an allen Touchpoints zur  Versorgung mit Lebensmitteln zur  Verfügung gestellt bekommen“,  verdeutlicht Kuhn. „Der Biofachhandel ist und  bleibt unser wichtigster Kanal“,  zementiert Jurek Voelkel den be_vorzugten Vertriebsweg des gleich_namigen Bio-Fruchtsaftherstellers.  Dann folgten LEH, Export, GAM,  Reformhäuser und der Direktbe_zug. „Wir sehen für uns besonde_res Potential für unsere Marke bei  Drogerien, Spätis, der Hotellerie  und bei Festivals wegen der wert_vollen Erlebniskontakte“, sagt Vo_elkel. Seit diesem Jahr sei Voelkel  deshalb auch auf der Aida erhältlich.

Oliver Bank

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